Kurzchronik der Gemeinde Gaißach

Gaißach ist eine Flächengemeinde mit 23 Ortsteilen (Ortschaften, Weilern und Einöden), dessen Gemeindegebiet sich über eine Fläche von 38,55 qkm erstreckt. Davon sind ca. 77 Hektar bebautes Wohngebiet, 1396 Hektar landwirtschaftliche Nutzfläche und 2047 Hektar Wald. Das langgestreckte und weitverstreute Dorfgebiet liegt auf einer Höhe von 660 bis 740 Meter über NN. Die größte Erhebung befindet sich mit 1562 Meter über NN, im SO der Gemeinde, am Fockenstein.

Die Besiedlung reicht bis in das 2. Jahrhundert v. Chr. zurück. Das beweisen Fundstücke aus Hügelgräbern östlich des Kirchdorfes auf dem sogenannten Coronafeld. An dieser Stelle dürfte sich wohl die älteste Urtaufkirche im Isarwinkel befunden haben. Die erste nachweisliche urkundliche Erwähnung von Gaißach, damals Kaizahu genannt, stammt aus dem Jahre 817 n. Chr. Von Kaizahu über Keizan, Kazzah, Gaizzah, entstand im Lauf der Zeit der heutige Ortsname.

Schon in der 2. Hälfte des 8. Jahrhunderts wurde mit der Rodung und Besiedlung des rechten Isarhochufers begonnen, und das Land in Form von Waldhuten aufgeteilt. Diese von Hecken eingegrenzten Flurstücke verlaufen von der Isar im Westen bis auf die Höhen des Rechelberges im Osten und waren ursprünglich durchgehend in einem Besitz mit dem Anwesen am westlichen Ende, direkt über dem Isarrain. Zunächst waren es Einzelhöfe, die dann durch Erbteilung zu kleinen Weilern wurden. Erst später entstanden die Siedlungen am Talboden der Isar, im sogenannten Gries. Handwerker, Holzarbeiter und Flößer konnten sich hier, mit beschränktem Nutzungsrecht, niederlassen und ihrer Beschäftigung nachgehen.

Um 1300 n. Chr. war die Besiedlung des Isarwinkels im wesentlichen abgeschlossen, die Ortschaften und Fluren waren verteilt wie jetzt. Im 16. Jahrhundert gab es in Gaißach ca. 125 Höfe; diese waren auf mindestens 10 verschiedene Grundherren aufgeteilt, dazu gab es 12 freie Bauern.

Im 30-jährigen Krieg (1618 - 1648) wurde ein großer Teil der Isarwinkler Bevölkerung von der Pest hinweggerafft. Ein kleines Sühnekreuz aus Tuffstein weist noch heute als stiller Zeuge auf diese schreckliche Zeit hin.

Der österreichische Erbfolgekrieg hinterließ auch in Gaißach seine grausamen Spuren. Am 22. Mai 1742 nahm Oberst Trenk mit seinen plündernden und raubenden Panduren erbarmungslos Rache für einen Mord an einem seiner Generäle, der von einem Gaißacher Bauern verübt worden sein soll. 28 Anwesen wurden in Brand gesteckt und fielen in Schutt und Asche, 10 unschuldige Menschen kamen bei dem schrecklichen Wüten der Soldateska ums Leben. Eine 1743 errichtete Kapelle "Zum abgebrannten Kreuz" in der Ortschaft Puchen beherbergt eine Madonnenfigur, die den Brandterror dieses Tages, wie durch ein Wunder unbeschadet überstanden hat.

Mit Beginn dieses Jahrhunderts lösten neue Verkehrsmittel Pferd und Kutsche ab.

Am 1. Juni 1905 fuhr der erste Motorpostwagen mit einer atemberaubenden Höchstgeschwindigkeit von 18 Stundenkilometern durch das Dorf. Die Eisenbahnlinie Holzkirchen - Bad Tölz wurde bis Lenggries ausgebaut und am 3. September 1924 schnaubte die erste Dampflok durch die beiden Bahnhöfe unserer Gemeinde.

Die erste Hälfte des vergangenen Jahrhunderts war, wie wohl überall, durch die fortschreitende Mechanisierung und vor allem durch die zwei Weltkriege (allein 140 Kriegsopfer waren im 2. Weltkrieg zu beklagen) geprägt.

Fünfzig Jahre Frieden und steigender Wohlstand aber auch ein massiver Strukturwandel formten unsere Gemeinde und brachten manche Neuerungen und Probleme. Dem enormen Besiedlungsdruck in unserer nicht unattraktiven Wohngegend wußte die Gemeinde durch eine maßvolle Bau- und Bodenpolitik einigermaßen Stand zu halten. Dadurch wurde eine Überfremdung mit all ihren negativen Auswirkungen auf die dörfliche Gemeinschaft vermieden.

Heute zählt die Gemeinde rund 3000 Einwohner mit Hauptwohnsitz in der Gemeinde, ca. 3050 Einwohner sind insgesamt gemeldet. Die Gemeindegebietsreform im Jahre 1976 ging Gott-sei-Dank spurlos an der Gemeinde vorüber. Gaißach blieb selbständig und hat seither bewiesen, daß auch eine relativ kleine Gemeinde lebensfähig und wirtschaftlich gesund sein kann.

Aus einem rein landwirtschaftlich geprägten Dorf wurde eine gemischt strukturierte Gemeinde, in der heute mehr als die Hälfte der Bevölkerung aus Arbeitnehmern besteht.

Als besondere Einrichtungen in unserer Gemeinde sind das Rehabilitationszentrum Gaißach, in der bis zu 150 Kinder und Jugendliche mit chronischen Erkrankungen fachärztlich therapiert werden können, sowie die Oberland Werkstätten gGmbH, Werkstätte für Behinderte, die Arbeitsplätze für fast 150 Menschen mit Behinderungen bietet, zu nennen.

Die Pfarrkirche St. Michael thront majestätisch über dem Isartal und die Symbolik des Kirchenpatrons ist auch im Wappen der Gemeinde wiederzufinden. Auf saftig grünem Grund, der die Fluren der Gemeinde charakterisiert, kreuzen sich ein silberner Wellenbalken, das namengebende Flüßchen Gaißach, und ein goldenes Flammenschwert, die ehrfurchtgebietende Waffe des Heiligen Michael.

Die als Naturdenkmal geschützte Heckenlandschaft ist ein besonders charakteristisches Merkmal unserer Gemeinde.

Weltberühmtheit erlangte unser Dorf durch das alljährlich stattfindende "Hinternationale Schnablerrennen". Bei diesem in der Faschingszeit und bei ausreichender Schneelage durchgeführtem Gaudirennen vom Lehener Berg versuchen waghalsige Burschen (als "Pilot" ist nur ein Einheimischer zugelassen, "mitfahren" darf auch ein Auswärtiger, wenn er sich traut!) auf ihrem Hornschlitten möglichst schnell, möglichst originell und mit einem möglichst spektakulären Satz über die gefürchtete Sprungschanze ins Ziel zu gelangen. Meist gibt es dabei viel Kleinholz und so manchen Brummschädel. Aber die Gaißacher, die "Dritte Raß", wie sie von ihren Nachbarn nicht ohne Respekt genannt werden, zeigen auch hier Charakter und Standfestigkeit.

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